Das Leben von Paula Reinhard

Paula Reinhard (1850-1908)

Stifterin Kloster Bethlehem  —  Koblenz

 

Paulas Heimat ist in Koblenz, am Fuße der Festung Ehrenbreitstein.

Ihr Vater: Justizrat Dr. Franz Reinhard (1814-1893) aus Werden an der Ruhr

Ihre Mutter: Frau Justizrat Pauline Reinhard (1827-1850), geb. Mittweg in Essen

(Stammbaum der Familie Mittweg)

 

1850

wird Paula geboren.

Die Mutter stirbt vier Tage nach ihrer Geburt.

 

1867

schenkt Gott ihr die Gnade einer franziskanischen Berufung.

In Ehrenbreitstein gibt es noch keine organisierte Krankenpflege und Sterbebegleitung. Paula ist fünf Jahre ehrenamtlich in dienender Liebe unterwegs zu den Armen, Kranken und Sterbenden als „ENGEL DES TALES“, so der Volksmund. Später setzt sie sich ein für die Erziehung der Jugend, gründet und unterhält Bewahr- und Nähschulen, Jugendvereine, Bibliotheken.

 

1871/72

im deutsch-französischen Krieg pflegt sie im Militärlazarett verwundete Soldaten und erhält dafür die Kaiserliche Denkmünze.

 

1871

bietet sie Gott ihr Leben an für ihren Vater, dass er sich dem Dogma der Unfehlbarkeit unterwerfe. Gott nimmt ihr Lebensopfer nicht an, aber von da an sind „innere Leiden mein Anteil und mein Kreuz“ (aus ihrem Tagebuch) bis an ihr Lebensende und sie geht auf einem Wüstenweg, einem Gnadenweg, der sie bis zur höchsten Stufe der Vereinigung mit Gott führt.

Der Vater darf als „Laientheologe am Rhein“ in die Geschichte eingehen.

 

1872/73

 

zum beschaulichen Leben hingezogen, besucht Paula zweimal die Kapuzinerinnen von der Ewigen Anbetung in Mainz, wo sie Mutter M. Ignatia von Hertling, die spätere Gründerin von Kloster Bethlehem in Koblenz-Pfaffendorf, als junge Schwester kennenlernt. Paula möchte eintreten, aber ihr Beichtvater, der Kapuzinerpater Ignatius van Weldige, der für sie wie ein Novizenmeister war, lässt sie aus gesundheitlichen Gründen zurückholen. Paula erkennt darin den Willen Gottes, bleibt im Elternhaus und führt als franziskanische Terziarin im 19. Jahrhundert ein streng geistliches Leben.

Sie übernimmt die Leitung des Reinhardschen Hauses, das sich zum Sammelpunkt deutschen katholischen Lebens entwickelt. Und bald ahnt niemand mehr das von ihr sorgsam gehütete Geheimnis der inneren Leiden und ihrer Klostersehnsucht.

1884

bittet Paula die Mainzer Kapuzinerinnen um das Tragen ihrer Ordenstracht und trägt sie nachts. Im Tagebuch steht: „Gott hat mir doch die Freude gewährt, wenigstens jede Nacht vor ihm als arme Kapuzinerin erscheinen zu dürfen.“  Sie schläft damit auf einem Strohsack (Kapuzinerinnen Strohsack) bis zu ihrem Lebensende.

 

 

Es wird Paula zur zweiten Natur, sich selbst zu vergessen und nur für andere zu leben und im Reichtum arm zu sein.

Sie versteht es, ihr vielseitiges karitatives Leben fortzusetzen. Auf den Spuren des Guten Hirten ist sie mit ihrer Freundin Marie Le Hanne, geb. Reichensperger jahrelang unterwegs zu den Strafgefangenen in Koblenz und Siegburg.

 

1893

Nach dem Tod des Vaters entsteht in den Häusern Reinhards die Missionsschule der Pallottiner, 10 Jahre später in der Erweiterung der Hauskapelle die Pallottiner-Kapelle. Erbaut wird sie von Paulas Vetter, dem Regierungsbauarchitekten August Menken, der auch der Erbauer von Kloster Bethlehem ist.

 

1897

 

 

1901

stirbt Paulas Beichtvater, Pastor Peter Ditscheid von St. Josef, in Koblenz. Nach ihm ist der Trierer Diözesanbischof Dr. Michael Felix Korum bis zu ihrem Lebensende ihr geistlicher Begleiter.

 

erfolgt die Auflösung des Reinhardschen Hauses. Paula lebt mit ihrer kranken Schwester heimatlos in Bordighera, ganz im Vertrauen auf die Vorsehung Gottes, sie in eine neue Heimat zu führen.

 

1902

beginnt mit Mutter M. Ignatia von Hertling, die inzwischen 20 Jahre Oberin in Mainz ist, ein Briefwechsel wegen einer Klostergründung in Koblenz - Pfaffendorf. Die Geschwister Reinhard wollen helfen, einen Bauplatz zu finden und eine Kapelle zu bauen.

 

Mit ihren herrlichen Geistesgaben, ihrem ausgeprägt praktischen Sinn, ihrem Opfermut und ihrer Selbstlosigkeit vertritt Paula während der Planung die Klausurschwestern von Mainz. Sie schreibt zahlreiche Geschäftsbriefe, die der geplante Bau erfordert. Allein an die Oberin in Mainz liegen 120 Briefe vor.

Maria und Paula ziehen im Herbst 1902 ein in die Villa Emmaus an der Hermannstraße in Pfaffendorf und überlassen sie

1903

Mutter M. Ignatia mit ihren ersten Schwestern und ziehen selbst für ein Jahr zum Marienhof in Koblenz.

 

1904

Einweihung von Kloster Bethlehem

 

1906

vermittelt Paula eine zweite Ordensgemeinschaft nach Pfaffendorf: die Dernbacher „Dienstmägde Christi“.

 

Am 18. Juni 1908, nach einer langen, schweren Krankheit, die Paula aber in ihrer Selbstlosigkeit kaum von gewohnten Liebeswerken abhalten kann, stirbt sie am Fronleichnamsfest zu der Zeit, als in der Klosterkapelle die Vesper gesungen wird, h e i l i g m ä ß i g.

 

 

 

Verwendete Literatur:

Johannes Jörgensen, Die Geschichte eines verborgenen Lebens, Freiburg, Herder Verlag,1922

 Sr. M. Franziska von Hertling, Mutter M. Ignatia von Hertling, Trier, Görres-Druckerei, 1961

 Helene Hofmann, Meine Besuche bei der belgischen Stigmatisierten  Rosalie Püt, Stein am Rhein/Schweiz, Christiana-Verlag, 1990

 Haus- und Fremdenbuch der Familie Reinhard ab 1880, Provinzarchiv der Pallottiner, Limburg